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Von Timothy Woods

Werden die großen Vier bald zu den großen Fünf?

Veröffentlichte Juni 10, 2016

alibaba ecommerce

Die großen Vier – Google, Apple, Facebook und Amazon oder „GAFA“, wie sie in Europa gern genannt werden, sind die vier Technologie-Konzerne, die die globale Ökonomie beherrschen. Mit Alibabas Börsengang Ende 2014 und seinem enormen Wachstum sprechen wir aber vielleicht bald von „den großen Fünf“.

Bis zu seinem IPO an der New Yorker Börse im September 2014 konzentrierte sich Alibaba hauptsächlich auf den chinesischen Markt. Seitdem erweitert der Online-Händler sein Geschäft auf den Westen.

Alibabas IPO war ein Ereignis der Superlative. Mit einem Wert von 25 Mrd. Dollar war es der größte jemals durchgeführte Börsengang weltweit. Und noch immer wird der Online-Riese nicht im selben Atemzug mit den großen Vier erwähnt.

Alibaba hat eine Marktkapitalisierung von 207 Mrd. Dollar – Amazon 227 Mrd. Dollar (Daten von Yahoo Finance am 22.07.2015).

Naht Alibaba mit Riesenschritten?

Neben seinem massiven Umsatz ist Alibaba laut Wired „vor allem aufgrund seines Datenpotenzials mit Google, Amazon oder Facebook gleichzustellen.“

Nicht seine aktuelle Marktkapitalisierung macht den Konzern so interessant, sondern vielmehr sein immenses Wachstums- und Expansionspotenzial und sein Geschäftsmodell.

Er ist unglaublich effizient und seine Ressourcen sind größtenteils digital.

Nach seinem Börsengang übertraf das Unternehmen alle Wachstumsvoraussagen. Im letzten Quartal des Geschäftsjahres, das im März 2015 endete, verzeichnete es 45 % Umsatzwachstum. Außerdem dominiert es den chinesischen Verbrauchermarkt.

Laut McKinsey werden im Jahr 2022 über 75 % der chinesischen städtischen Bevölkerung ein Jahreseinkommen von umgerechnet 9.000 bis 34.000 Dollar haben, eine Kaufkraft, die der von Brasilien oder Italien entspricht.

Für den chinesischen E-Commerce wird bis 2018 ein Wert von 1 Billion Dollar erwartet. Zusammen mit Alibabas starker Leistung im Mobilgerätegeschäft sehen Analysten und Investoren seine Zukunft und sein Wachstum sehr optimistisch.

Laut Daten der Weltbank lag 2014 die Zahl der städtischen Bevölkerung Chinas bei 53 % der Gesamtbevölkerung von 1.357 Milliarden Menschen. Es ist ganz einfach ein riesiger Markt und Alibaba hat dort bereits fest Fuß gefasst.

Der Konzern hat außerdem in Cloud Computing, grenzüberschreitenden Handel, digitale Unterhaltung, Logistik und das mobile Internet investiert.

Zudem besitzt er das Fintech-Unternehmen Ant Financial, das seinerseits einen Wert von über 35 Mrd. Dollar hat – und Ant war nicht am Alibaba-Börsengang beteiligt. Ants Erfolg ist andererseits aber auch dem Umstand zuzuschreiben, dass die Konkurrenz auf dem chinesischen Finanzmarkt schwach ist. Dieselben Erfolgszahlen auf anderen Märkten zu schreiben, würde für Ant schwierig.

Potenzielle Hindernisse für Alibaba

  1. Mehr Konkurrenz in China

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird China, Alibabas größter Markt, wettbewerbsfähiger. Das kann sein Wachstum negativ beeinflussen.

  1. Neue Märkte

Es besteht das Risiko, dass das Unternehmen außerhalb Chinas wenig(er) Erfolg hat. Unternehmensgründer Jack Ma argumentiert dagegen: „Wir sind kein chinesisches Unternehmen. Wir sind ein Internet-Unternehmen, das zufällig in China ist.“ Ob diese Taktik US- und andere Auslands-Kunden überzeugt, bleibt abzuwarten.

Chinesische Unternehmen haben sich immer schwer getan, außerhalb Chinas Fuß zu fassen, insbesondere in den USA. Zwischen 1993 und 2013 stiegen öffentlich gehandelte chinesische Aktien um knapp 8 %, während US-Aktien Ihren Wert um über 550 % im selben Zeitraum steigerten.

  1. Die Konkurrenz aus dem Westen

Anders als GAFA ist Alibaba ein Neuling auf dem westlichen Markt. Apple hat hier zum Beispiel jahrzehntelange Erfahrung. Hinzu kommt, dass GAFA die Lieblinge der nordamerikanischen Konsumenten sind und auch andere westliche Märkte wie den europäischen dominieren. Darüber hinaus investieren alle vier Unternehmen Eigenkapital in Wachstum und Innovation.

Ein paar Worte zum Schluss

Alibaba hat mit Sicherheit eine leuchtende Zukunft vor sich. Es wird jedoch auch mit Herausforderungen zu kämpfen haben, sowohl auf dem heimischen als auch auf dem Auslandsmarkt. Das Unternehmen ist dennoch gut gerüstet. Es war bisher von einem starken Wachstum gekennzeichnet und kann auf wichtige Vorteile zählen, die dieses auch weiterhin begünstigen werden.

Über kurz oder lang sprechen wir vielleicht nicht mehr über GAFA, sondern über AGAFA.

 

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